Und sie regen sich tatsächlich noch…

einladung

Ankündigung Vernissage und Ausstellung in Graz – 13.1.2015, Garnisonsmuseum am Schlossberg

Bildschirmfoto 2015-01-09 um 00.01.24Gavrilo Princip und Franz Ferdinand, die zwei sich im Grabe wälzenden Protagonisten unserer Ausstellung beim Banja Luka Art Festival 2014 kommen am 13. 1. (gerade rechtzeitig, bevor das Jubiläumsjahr auch in Serbien zur Geschichte gehört) nach Graz. Zeit also, sich wieder an die beiden zu erinnern…

Als Österreicherin, als 1976 Geborene, einem Kind der Aufarbeitung der Verbrechen des Holocaust, ist der erste  für mich immer jener Weltkrieg  gewesen, der von beiden weniger zählte. Die Donaumonarchie – das war für mich vor allem der Hintergrund meiner  kroatischen und mährischen Urgroßvaterwurzeln, das also, was den Durchschnittsösterreicher vom Durchschnittsdeutschen unterscheidet.

Als Teenager war der 1. WK für mich lebloser Stoff, den man für einen Test lernt.   Aufbegehren der Völker, Schwarze Hand, ein Schuss, Ultimatum,“Serbien muss sterbien“. Danach: blutgetränkter Schnee, Versailles.

weltkriegeDas Hitler-Opfer Österreich hatte spätestens seit der Waldheim Affäre ausgedient –  die verspätete Aufarbeitung führte dazu, dass man den Holocaust  in den Vordergrund des Geschichtsunterrichts stellte. Dass die Schüsse in Sarajevo über den Umweg Versailles zum  2. Weltkrieg geführt haben, habe ich erst Jahre später durch Hugo Portisch gelernt – dass der südslawische Raum schon damals vor den selben Problemen stand wie in den 90ern aus der Literatur. (Seitdem stellt sich mir die Frage, ob es nicht gescheiter gewesen wäre, Videos zu schauen und Literatur zu lesen statt die rosafarbenen Zusammenfassungen auswendig zu lernen). Sie sehen – ich nahm vom Geschichtsunterricht nicht allzuviel mit – was allerdings auch an unserer Professorin in jenen Jahren liegen mag, die uns gerne und viel von Gott erzählte und nur das Rosafarbene prüfte. Da sie vor allem ersteres mit großer Leidenschaft tat,  übernahm unser Religionsprofessor die Geschichtsbildung – und fuhr mit uns nach Krakau (Auschwitz / Birkenau).

Was das alles mit dem leidenschaftlichen Jäger  Franz Ferdinand und dem hitzköpfigen Gavrilo Princip  zu tun hat? Ich will es Ihnen erklären.

Bosnien-Herzegowina, das für mich lange nicht anderes, als ein rosafarbener Fleck im Geografiebuch –  jenes Bundesland Jugoslawiens , dessen Namen ich mir  nie gemerkt hatte. (Geografietest: Gut.  Setzen, Kinstner)

oesterreichzuerst2Und dann kam ich in die siebente Klasse. Die Bilder im Keller unserer Schule. Die Bilder auf dem Overheadprojektor. Unsere Reise nach Auschwitz. Schindlers Liste (auch mit dem Religionsprofesor). Auf dem Bildschirm legt Amon Goeth das Gewehr an, in der Reihe hinter uns 2 Burschen. Popcorn, Kicherattacken und „Yeah“-Rufe.  Zu Hause, am Bildschirm, dem „Fernrohr ins Nachbarland“ dann die Bilder aus „Jugoslawien“. Mit 16  denkst du noch nicht in Zahlen, mit 16 schreist du. Und fragst nach. Ziehst Vergleiche, die nicht erlaubt sind . Man schrieb das Jahr 1993. Wir besuchten Mauthausen, wir sahen die Bilder im Fernsehen und wir sahen jene, die mit  „Ja“ unterschrieben –  denn es war das Jahr des „Ausländervolksbegehrens„.

Glauben Sie mir: Unser toter Thronfolger war nicht der Geist meiner Geschichte…. spätestens 1993 war das Jahr, an dem mein Jahrgang aus seinem naiven Kinderglauben an das Gute gerissen wurde.


September 2014. Eine kleine Gruppe fährt in die Republika Srpska. Im Fonds des Autos  liegen alte Schulbücher. Zur selben Zeit macht sich eine Frau  auf den Weg – ebenfalls bepackt mit alten Schulbüchern. Sie kommt aus Belgrad, wir aus Graz.

1914 jährt sich das 100. Jahr und wir wollen uns ansehen, wie das Ereignis in den verschiedenen Geschichtsbüchern dargestellt wird. Wir müssen einander die Stellen ins Englische übersetzen. Verschiedene Religionszugehörigkeiten, verschiedene Kulturkreise, verschiedene Sprachen, verschiedene Nationen und verschiedene Geschichtsbilder sitzen um einem Tisch. Den Kaffee haben wir trotzdem aus derselben Kanne getrunken (herrlich, endlich wieder würziger bosnischer Kaffee!!!), wir haben dasselbe Feuerzeug verwendet (und gelernt, dass es upaljaž heißt), wir haben diskutiert, in „Serbokroaboengleutsch“ – haben erstaunt ausgerufen und gelacht.

Bildschirmfoto 2015-01-08 um 23.14.18

Durch Hugo Portischs Österreich I, durch Bücher und auch durch die Zeitungsartikel des Jahres 2014 hatte ich mittlerweile natürlich ein anderes Bild des 1. Weltkrieges.  In der Republika Srpska kam jedoch noch einmal ein ganz neues hinzu.

Der Vergleich mit anderen Schulbüchern brachte Spannendes zutage. (> PDF Schulbuchvergleich) Da gab es Schulbücher, die sich dem 28. Juni aus wirtschaftlicher Sicht näherten und eine 20seitige Vorgeschichte voranstellen. Und dann gab es solche, die mit dem Attentat begannen. (Und wovon hängt die Wahl ab? Von der Anschauung des Lehrers, dem Schulzweig, der politischen Coleur?)

2014 – mitten in Bosnien – stellte sich natürlich auch eine ganz andere Frage: Wenn schon zwischen den alten ö. und den jugoslawischen Schulbüchern so ein Unterschied in der Darstellung bestand – wie wäre es, die aktuellen Schulbücher beider Entitäten zu vergleichen? – Wie sieht es dort aus mit der Mlada Bosna, der Jugoslawien-Idee und dem 1. WK? Wie mit  der Ustaša und den königstreuen Četniks ….  und Tito, natürlich Tito …. Irgendwann würde ich gerne von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt reisen (durch alle exjugoslawischen Länder) und einfach nur nach Tito fragen. Solle sich jemand, der viel Zeit hat, als Chauffeur und Übersetzer zur Verfügung stellen… bitte einfach melden!

Aber Tito war nicht unser Thema. Gavrilo Princip hingegen schon.  ….

Jelka ist zehn Jahre jünger als ich. Sie unterstützt mich von Banja Luka aus und schickt mir Links zu Gavrilos Geburtshaus. Sie wollte im August auch eine  Fahrt zu diesem für uns organisieren – und war ein bisschen enttäuscht, dass wir das Kajak am freien Tag vorzogen (Letztendlich kam uns dann der Stierkampf dazwischen – wo wir besonders viel über die „Helden“ der Republika Srpska und ihr Ansehen lernten. Mladen- und Karadžić-Uhren findet man an den Verkaufsständen genauso wie Gavrilo Princip-T-Shirts….)

http://www.klix.ba/vijesti/bih/otvorena-obnovljena-kuca-gavrila-principa-u-bosanskom-grahovu/140628067

http://www.novosti.rs/vesti/naslovna/aktuelno.69.html:339350-U-kuci-Gavrila-Principa-izgoreli-planovi-atentata

Im März will ich mit Jelka dennoch Princips Geburtshaus besuchen. Dass er  genauso wie der Vidovdan zur serbischen Kultur und damit zur Republika Srpska gehört, kann ich nicht einfach ignorieren…Auch wenn es mir nicht gefällt. (Aber die FPÖ gehört schließlich auch zu Österreich… Wollen wir also nicht so scheinheilig tun. Wir hatten ja auch bloß das Glück, dass sehr lange Zeit ein  homogenes, scheinheilig-katholisches Land waren – und noch immer sind. (5,3 Mio Öer sind katholisch)


Bildschirmfoto 2015-01-08 um 23.18.53Ja, sie regen sich also, die beiden sagenumwobenen Figuren.  Die Debatte um Princip zeigt, wie gespalten Bosnien ist – wie sehr das Andenken an ein geschichtliches Ereignis von den nationalistischen Rädelsführern wieder einmal dazu benützt wird, die den Hass, gegen den so viele junge Leute der Nachkriegsgeneration ankämpfen, am Leben zu halten.  In Ost Sarajevo, das zur Republika Srpska gehört,  wurde Princip ein Denkmal gesetzt, während die Gavrilo Princip-Brücke beim alten Rathaus wieder Lateinerbrücke heißt.

Aufarbeitung wird in Bosnien also noch lange keine stattfinden können – solange solche Szenen stattfinden. Der Handshake bleibt jenen Leuten überlassen, die sich – v.a. seit den Februarprotesten 2014 –  über die ethnischen Grenzen hinweg  für ein besseres, menschenwürdiges Leben in Bosnien einsetzen. Die davon sind unzählige Gerichtsverhandlungen,  sowie eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit.

(http://www.6yka.com/novost/71691/novinari-sa-gorcinom-docekali-praznike-ova-tjeskoba-nas-podsjeca-na-devedesete) 

Österreich hat zum Gedenken an den 28.6. 1914 seine Philharmoniker ins Land geschickt.  Bosnien litt zu dieser Zeit gerade unter einer Flutkatastrophe. Die Menschen, die sich für die Meinungsfreiheit, gegen Korruption, Ausbeutung und hassschürende Hetzreden der Politiker einsetzen,  wissen nicht, woher sie das Geld für die Gerichtsverhandlungen nehmen sollen – und Österreich lässt sich das Spektakel was kosten und spielt auf. Ja, wir sind noch immer das Land des Walzers – auch 100 Jahre danach…..

http://www.theguardian.com/world/2014/jun/28/sarajevo-franz-ferdinand-first-world-war

franz-ferdinand-540x304Durch Sarajevo fährt ein schöner alter roter Wiener Straßenbahnwaggon. An der Ecke, an der Franz Ferdinand ermordert wurde, befindet sich ein Gedenkmuseum.  In Sarajevo bist du als Österreicherin beliebt – zumindest im größeren Teil der Stadt. In der Republika Srpska sieht man uns Urenkelkinder des FF kritischer. Ob wir uns bewusst seien, dass wir „Blut an den Händen kleben“ hätten? Ein Satz, direkt an uns gerichtet. Die Frau: Eine Universitätsprofessorin. Nach der Diskussion (nach diesem Satz, der Herzrasen, der Widerstand, der Fassunglosigkeit, der Beschämung, der Wut in mir auslöste), stelle ich mich mit der Dame für ein paar Zigarettenlängen an die Bar. Vom neuen Imperialismus Österreichs spricht sie- nein, es wäre nicht ihre Absicht gewesen, mich nicht persönlich anzugreifen. „Auch ich habe Blut an meinen Händen kleben“, sagt sie und spricht von Srebrenica.

Aufarbeitung ist etwas, das  stattfinden kann. Ein Dialog soll dazu führen, beide  Seiten der Geschichtsschreibung kennen zu lernen. Ich habe Österreich aus anderen Augen sehen gelernt – und da waren durchaus Seiten dabei, die ich kritischer unter die Lupe nehmen musste. Zum Beispiel die kriminellen Machenschaften der Hypo Alpe Adria und ihren kometenhaften Aufstieg am Balkan.

Am Ende tritt man aus dem Gespräch heraus und schüttelt einander die Hand. Neue Freundschaften entstehen – und helfen, Vorurteile abzubauen. Nach dem Festival war die Republika Srpska kein dunkler Ort mehr – sondern ein Ort der Begegnung.

Lasst uns einander kennen lernen,  diskutieren, ein Bier trinken und aufs Leben anzustoßen. Živeli!

P.S: Das Buch zum Festival: http://www.itsch.org/Bildschirmfoto 2015-01-09 um 02.38.40

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Das Attentat von Sarajevo / SARAJEVSKI ATENTAT

SARAJEVSKI ATENTAT

sarajevo_assesination_coverein Workshop unter der Leitung von Vahida Ramijkic

http://irational.org/vahida/history/sarajevski_atentat/

29.8-4.9.2014 / Blart festival, INCEL, Banjaluka

2 Länder vergleichen ihre Schulbücher – wie wird das Attentat dargestellt?

 >>> PDF 

Bildschirmfoto 2015-01-09 um 22.37.25

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Logbuch – 10.9.2014

Ich sitze in der Bahn. Endlich zurück nach Graz.  3 Tage Konferenz habe ich hinter mir. 3 Tage habe ich den Gesprächen und Diskussionen gelauscht. Als Schriftstellerin unter AktivistInnen. Habe mich gefühlt wie ein Spion, als ich in die Rubrik „Funktion“ privat schrieb.

Wie dieses Land ändern? Wie können es die Aktivisten schaffen, Bosnien in ein Land zu verwandeln, in dem ein menschenwürdiges Leben möglich ist?

Ich gebe zu, ich war erstaunt. Erstaunt über die Hoffnung, die diese Leute in die Diskussionen trugen. Hoffnung trotz des hoffnungslosen Zustandes. Es wurde diskutiert, wie man sich besser vernetzten könnte. Wie man das Vertrauen der Leute wieder für sich gewinnen könnte. Denn das Vertrauen, das ist nicht mehr da. Das Vertrauen in jene, die für ihr Land und seine Bürger kämpfen. Die die letzten finanziellen Mitteln zusammenraufen (oft die eigenen), um Busse bezahlen zu können. Um einen Computer finanzieren zu können. Facebookportale und Blogs dokumentieren das, was in den Medien nicht gezeigt wird. Dokumentieren die kleinen Fortschritte. Weiterlesen

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Logbuch – 8.9.2014

fahne 2>>English version

Ich habe in einem Bett geschlafen. Und ich habe geduscht – bei einer Freundin, da mein Boiler am Nachtstrom hängt und ich bis 2h morgens hätte warten müssen. Ich bin um 22:00 in Bett gefallen und um 00:30 durch eine sms geweckt worden. Es war die Mitteilung, dass ich an der Konferenz zum Thema Aktivismus und Zivilgesellschaft in Bosnien teilnehmen darf. An der Konferenz wird auch D. teilnehmen, den ich in Banja Luka kennengelernt habe. Da er mir nicht viel Auskunft geben könnte, rief ich gestern bei der im Internet angegebenen Nummer an und erfuhr, dass die Konferenz nur für geladene Gäste sei. Keine Ahnung, ob sie D. nach mir gefragt haben. Als mein Handy um 0:30 piepste, stand ich auf, machte mir einen Kaffee (leider keinen bosnischen, da das Kaffeepulver sich noch in einem anderen Teil von Graz befindet), goss nach 2 Wochen meine Pflanzen, packte erneut eine Tasche (mein Rucksack liegt noch immer unausgepackt im Vorzimmer) und legte mich abermals schlafen.

Jetzt sitze ich im Zug. Bin unausgeschlafen. Meine Mutter schüttelt den Kopf. Die Fahrt nach Wien, dass die teuer sei. Was das mit meinem Romanprojekt zu tun hätte. Sie weiß, dass mein 3. Romanprojekt nichts mit Bosnien zu tun hat. (Dass es zumindest nicht so geplant war.)

Und doch merke ich, dass ich immer tiefer in dieses Thema tauche. Dass Bosnien zu einer Art Sucht geworden ist. Ich will verstehen.  „Willst du jetzt politische Schriftstellerin werden?“, so der entsetzte Ausspruch meiner Mutter. Dabei sollte sie mich kennen, ich merke mir nicht einmal die Vornamen unserer eigenen Politiker. Machte aus dem Sebastian einen Andreas. Dass ich ihn mit einem Schriftsteller verwechselt habe, spricht nicht für den Schriftsteller, denke ich mir. Dass die Verwechslung aber doch mehr meiner Müdigkeit zuzuschreiben war. Und dem Umstand, dass ich mich nicht in Österreich befinde, noch immer nicht. Verschollen in Banja Luka. Weiterlesen

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Logbook – Sept 8th

deutschafehne 2>>Originaltext

(I have to say sorry – this is not a perfect translation as English is not my mother-tongue.)

 

Vienna, Bosnian conference.

This night I was sleeping in a bed – after taking a shower, at a friend´s place. At 0:30 I got an sms, telling me  that I was invited to attend  the conference on activism and civil society in Bosnia. Drazen had told me about the conferece in Banja Luka, I will meet him there. My backpack is still unpacked, another bag has to be packed for the next  days.

Now I’m sitting in the train. My mother is shaking her her head is despair. What does this have to do with your new project? Who is paying for this trip? … My mother is not used to her daughter being a full time writer. Neither is my granny. But afterwards (means; after your holiday) you will have to work hard again, she says. 

Bosnia –  it has become a kind of addiction. I want to understand. Are you going to be a political writer now? – Again my mother. She should know the better of me – I´m not even good at remembering the names of our pwn polititians. Changing Sebastian into Andreas – yesterday, our foreign minister. It is Bosnia I´m interested in. Not politics, not politicians. But without comprehending Dayton, without comprehending the government there – the many governments in the many cantons – I will not be able to understand anything. The only problem: Sometimes I have the feeling that, the more I get into that topic, the more I´m becoming confused. Weiterlesen

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Fotodokumentation – 5.9.2014

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Logbuch – 5./6.9.2014

fahne 2English version

Jetzt bin ich definitiv an dem Punkt angelangt, an dem es mich nach Hause zieht. Und Graz, das ist ja auch so ein bisschen Balkan, jetzt, wo ich die Hügel nicht verlassen muss, ist da keine Wehmut und es gibt ein Wiederkommen, vielleicht nicht ausgerechnet nach Banja Luka, obwohl sogar das denkbar wäre.

Heute früh habe ich die Kleidung für morgen in den Schlafsack eingewickelt und den Schlafsack in die Pfadfinderdecke. Das ist die einzige Möglichkeit, etwas zu trocknen, die Decke scheint die Feuchtigkeit anzuziehen, vielleicht aber ist das physikalischer Schwachsinn und bloße Einbildung. Weiterlesen

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Logbook, Sept 5th/ 6th

deutschafehne 2>>Originaltext

(I have to say sorry – this is not a perfect translation as English is not my mother-tongue.)

 

Dreams, TV and Vuk Karadsiz

Now I’ve definitely reached the point where I would like to go home. I dream of sleeping in a bed, of waking up in a dry flat. Graz, that´s almost a little bit like in Bosnia – thanks to the young students and workers of Bosnia living here. Now, that I do not have to leave the hills anymore, it is easier coming home. And there will be a next time in Banja Luka…

This morning I wrapped the clothes for tomorrow into my sleeping bag and the sleeping bag into the woolen blanket. This is the only way the clothes stay warm and nearly dry, the blanket seems to attract the moistness, but maybe that´s complete nonsense and mere imagination. Weiterlesen

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Fotodokumentation – 4.9.2014

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Logbook, Sept 4th

deutschafehne 2>> Originaltext 
(I have to say sorry – this is not a perfect translation as English is not my mother-tongue.)

 

Blood, water and conspiracy

Today – a day of rest. The partisan monument hidden in the fog. Normally you would have to walk from the barriers for another 3 kilometers. A hiker helps by telling the doorman that we are from Austria, the first time in Banja Luka. The concierge lets us pass. Tourists are treated like VIP in Banja Luka. Tourism – that´s what the country needs. Not war tourists – looking out for photographs of the ethnical cleansing or the tunnel in Sarajevo – tourists like us, that are interested as well in the beauties of this country, in the art young people have to offer. Actually, Banja Luka does not have many visitors.

 The monument is huge – telling the story of a struggle for liberation. It should be restored. Our guide explaines that each nation wants to use the partisans for themselves. The Croats claim that mostly Croats had been freeing the country from the Nazis, Serbs say that mainly Serbs died during the battles,  the Bosniaks again say, it’s been mainly their people. Finally, I have the feeling that all can be traced back to the same conflict.

It´s different in our group. I always get the feeling, that people work together, talk together. We do not mind the religion or so called nation of the others. But when talking to the people, they tell you of hate and mistrust. Propaganda and corruption. And Dayton – What is Dayton? Inzko, the new Franz Ferdinand. A cartoon-figure. Weiterlesen

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Logbuch – 4.9.2014

fahne 2>> English version

Nach dem gestrigen hektischen Tag ein Tag voller Ruhe. Hinauf zum Partisanendenkmal, Nebel. Normalerweise geht man vom Schranken nochmals 3 Kilometer. Ein Spaziergänger hilft uns, sagt wir seien von Österreich und das erste Mal hier. Der Portier lässt uns durch. Das ist es, was das Land braucht, Touristen, die hierherkommen um sich die Kunst des Landes anzusehen. Nicht nur die Kriegsschauplätze. Hier sind wir VIPs, Banja Luka hat nicht viele Besucher.

Das Monument riesig – die Geschichte eines Befreiungskampfes. Es müsste restauriert werden. Unser Begleiter erklärt, dass jede Nation die Partisanen für sich vereinnahmen will. Die Kroaten behaupten, dass hauptsächlich Kroaten das Land von den Nazis befreit hätte, die Serben behaupten, es seien hauptsächlich Serben im Kampf gestorben, die Bosniaken wiederum meinen, es seinen hauptsächlich ihre Leute gewesen. Letztendlich, so habe ich das Gefühl, lässt sich hier alles auf diesen Konflikt zurückführen. Es gibt kein Miteinander. Zumindest nicht offiziell. Du hörst von Schulen, in denen darauf geachtet wird, dass die Kinder ohne Vorurteile aufeinander zugehen, in denen der Dialog erprobt und erlernt wird, du hörst von gegenseitiger nachbarschaftlicher Hilfe, die jungen Menschen hier erzählen mir, dass sie bei ihren Freunden nicht auf die Nationalität oder Religion achten, und trotzdem. Hier bei uns, im INCEL, habe ich das Gefühl, dass es dieses Miteinander gibt, dass vor allem die Nachkriegsgeneration vergessen will, etwas verwändern, nach vorne sehen will, aber wenn du nachfragst, hörst du immer nur dasselbe. Da ist so viel Hass, so viel Korruption. Und Dayton – Was ist Dayton? Inzko, der neue Franz Ferdianand. Eine Karikatur. Weiterlesen

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Logbook – Sept 3rd

deutschafehne 2>> Originaltext 
(I have to say sorry – this is not a perfect translation as English is not my mother-tongue.)

 

Mognstuambuam and politics

Everything is wet. No dry trousers any more, your sleeping bag is wet, you are wrapping a blanket around it. Leve the tent, go out – and there everything is wet, too – you fell like a wet sheep in the morning, walking through wet grass. Taking your tooth paste with you. Taking it to the INCEL building There is a sink, and you know, that everything will be wet there, too, like in every toilet. Wet – that´s not only water, you think, and you try not to mind. And somehow you try to feel human, and somehow you do it.

Today, the first day after the festival started. Yesterday, the whole day a rush. And somehow I managed it, not to be part of it.

Interviewing the girls. I´m recording voices. No chance here to have a quiet room. Conserving. Pressing the record-button. The rest has to be done back in Graz.

And still it is raining. Weiterlesen

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Fotodokumentation – 3.9.2014

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Logbuch – 3.9.2014

fahne 2>> English version

Wenn du aufwachst. Und keine Hose mehr findest, in die du hineinkriechen willst. In den Schlafsack, alles feucht, Decke herumgewickelt. Am Morgen hinaus ins Nass, alles nass, auch du, nasses Schaf – die Zahnpasta einpacken und ab ins INCEL, im Klogatsch des Vortages. Und trotzdem schaffst du es, zum Mensch zu werden, irgendwie, dich zumindest nicht mehr wie ein filzig-feuchtes Irgendwas zu fühlen.

Gestern also der erste Tag des Festivals. Den ganzen Tag über hektische Stimmung. Und du in der Mitte und Fluchtgedanken im Kopf. Die Mädchen ziehen sich mit mir zurück, ich lasse sie in meinen MP3-Player sprechen. Dass es nur mehr so geht. Konservieren und zu Hause dann niederschreiben.

Und es regnet und es regnet und es regnet und überall tropft es. Weiterlesen

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Logbuch – 2.9.2014

CIMG2106Kein Lagerfeuer gestern Nacht, stattdessen Dance-Party im Incel. Der erste Musiker ist da – und wie ich draufkomme, kenne ich ihn, habe ihn von der ersten Reihe aus gesehen, mein erstes Theaterstück nach meinem Umzug nach Graz. (Belgrad Trilogie). Die Welt ist klein, da soll noch mal einer sagen, meine Überkreuzungen seien an den Haaren herbeigezogen. Die Welt wird klein, wenn man nach Graz zieht und Graz trifft sich in Banja Luka.

Die Welt ist noch kleiner, denn wer hätte schon gedacht, dass man die Schwarzwaldklinik auch in Yugoslawien sah, Professor Brinkman und die hübsche Schwester Christa, von der B. träumte (Aber erwähne, dass das in der Pubertät war!, sagt er). Ich bekomme von der Schwanzwaldklinik erzählt, lasse mir den Inhalt des Songs übersetzen. Ein Mann zieht aus, verkauft seinen Schwanz, bereut es und macht sich auf die Suche. Prostituiert sich als eine Art Frau ,um sein bestes Stück wiederzuerkennen, findet es schließlich in der Schweiz.

https://www.youtube.com/watch?v=16HEanYud7k

Ja, auch solche Dinge gehören zu unserem kulturellen Get Together. Die Band heißt Rambo Amadeus, und schon ist da wieder eine Verbindung zur guten alten Heimat Österreich, Wolferl und Hasi Hölzel lassen grüßen.

Lasst euch noch 2 Bands ans Herz legen:

Azra –   https://www.youtube.com/watch?v=Bro2eeLabyo

und Ekaterina Velika (EKV)   –  https://www.youtube.com/watch?v=iuSthfwzjPs


CIMG2111 CIMG2112Heute also schon eine Woche da.

Es regnet noch immer, Banja Luka zittert, in den Vororten sieht es schon nach einer dritten Flut aus. Wollen wir das beste hoffen. Balkan Woodstock meinte I. – wenn es so weitergeht, wird das Festival im Wasser versinken.

Der Regen in Banja Luka macht die Nächte wärmer. Im Zelt dampft es, am Morgen laufe ich in meinem Handtuch durchs nasse Gras zu unserer Zeltdusche. Speziell für dich, so meine N., als ich ihm für die Dusche dankte – und tatsächlich scheint keineR so gerne hier zu duschen wie ich. Ein Kanister und ein schmaler Strahl, der es kaum schafft, die Seife vom Körper zu waschen, das Wasser ist kalt, aber noch nie hat mir die Morgenwäsche noch nie so Spaß gemacht. Empfehlung für alle, die gerne Lachkrämpfe und gute Laune bekommen: Lauft im Handtuch durch den Regen und singt dabei!  

Man braucht nicht viel, um sich wohlzufühlen. Ich stapfe in meiner Regenhose Richtung Fabrik und werde mit Kaffee empfangen („Meine Damen und Herren, ich liebe dich!“), der jemand reicht mir ein Brot, der dritte hält mir seine Zigarettenpackung unter die Nase. Ja, wir Frauen werden gerne verwöhnt und die Bosnier wissen darum.

Ich google den Begriff „Deseterac“. Ein Zehnsilber im Namen des Franz Ferdinand, des Gavrilo und der heiligen weißen Gams, Amen. Jelka hilft mir beim serbischen Teil und erweist sich als begabte Poetin. Wir lassen den Helden wiederauferstehen. B. ist skeptisch. Eine Österreicherin, die noch nie zur Guslar gesungen hat und kein Wort Serbisch kann? Ein Experiment auf alle Fälle. Für mich. Ob sich die anderen darauf einlassen, wird man sehen.

Während ich versuche, im Guslarsound zu versinken, wird das INCEL abgedichtet so gut es geht. Dass ich mich vielleicht ins Zelt zurückziehen werde, später. Wenn es nicht zu nass und kalt ist. Und dann sollen heute ja noch mehr Musiker auftauchen. Ein wenig professionelle Hilfe wäre schon gut für die überforderte Romanschriftstellerin, die sich nicht auskennt  – weder mit dem Deseterac noch mit den Viertel- und Achteltönen (so kommt es mir vor). Die sebische Guslar geht nicht gerade ins Ohr. Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit … Und singe. Kein Wunder, dass bald N.s Kopf vor meinem Zelt auftaucht. „Margarita, you okay?“, fragt er besorgt. Mein nachgeahmter Guslar-Sound dürfte wohl doch eher an Magenkrämpfe denken lassen …

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Work in progress

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Logbuch – 1.9.2014

In der Nacht Gewitter. Bis zum Morgen, heavy rain. Mit dem Handtuch durch den strömenden Regen zur Campdusche. Frühstück im INCEL. Ein idealer Tag zum Arbeiten.

INCEL ist undicht.

Ich sitze und tippe in den Computer, mein Notizbuch auf dem Sofa neben mir.

S. vor mir am Computer, gestern hat er mir seine animierten Grafiken gezeigt. Er arbeitet schnell – zeichnet auf dem Tablet, speist ein, verändert. Es sind simple Grafiken, mit Hand gemalt. Die Effekte pulsierend. Dass das etwas macht mit mir, das stelle ich gleich fest. Wann er fertig wird? Vielleicht ein Input für das Festival. Dass ich noch immer nicht weiß was. Und wie.

Gestern abend am Feuer habe ich D.s Freundin kennengelernt. Ob ich auch artist sei, fragte sie mich. I´m a writer. Sie lachte, na Gott sei Dank. A. hat Kunstgeschichte studiert, beschäftigt sich mit Kunsttheorie. Sie bezeichnet sich als Theoretikerin. Schrifsteller seien die angenehmeren Wesen. Sie lacht. Und ich denke, dass es genau das ist, was mir hier gefällt, endlich unter Leuten zu sein, die nicht schreiben, die etwas komplett anderes machen. Dass da mehr Input kommt. Das Schönste: Man spürt die Engergie. Jeder arbeitet unter Hochdruck aber vor allem mit Freude. Dazwischen sitzen wir zusammen. Lernen uns kennen, jeden Tag, so habe ich das Gefühl, lerne ich jemand anderen besser kennen. Weiterlesen

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Fotodokumentation – 1.9.2014

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Logbuch – 31.8.2014

Sonne durchs Zelt, ein Reißverschluss der geöffnet wird. Heute habe ich lange geschlafen, es ist halb Zehn, als ich ins Freie krieche und mir Kaffee aus dem Topf in einen Becher leeren lasse.

Wir sitzen auf Strohballen, im Schatten schläft einer. Sonntag.
Gestern, nach einem leichten Anfall von Gruppen- und Zeltkoller (dass ich nichts mehr finde, dass alle meine Sachen verstreut sind, dass ich immer alles von unten nach oben kehren muss – immerhin haben wir jetzt eine Dusche, ein Kanister in der Hohe, ein Hahn, ein dünner Wasserstrahl und ich könnte unseren Fähnlein Fieselschweif Nikola täglich dafür küssen), bin ich wieder in die Gemeinschaft zurückgekehrt, am Lagerfeuer, nach der Promiparty im vollen Lokal (wir saßen draußen) und schrecklicher Musik (my opinion), und auch dort keine gescheite Internetverbindung, was heißt, dass ich die Auflösung runterrechnen muss – and time is passing and time is passing  – und ich habe mir viel zu viel vorgenommen.

Du bist hier in Bosnien, wurde mir gesagt. Take it easy… Weiterlesen

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Fotodokumentation – 31.8. 2014

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Fotodokumentation – 30.8.2014

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Logbuch – 30.8.2014

Heute mit dem Bus also dort hinauf. Wir schrauben uns in die Höhe, bohren durch moosiges Grün. Die Lider schwer, halb geöffnet, Sonne durchs Seitenfenster. Und jetzt hier durchfahren und weiterfahren und immer weiterfahen und weiterfahren und irgendwo stehen bleiben und sich irgendwo niederlassen, Gras im Rücken, Sonne im Gesicht und wieder weiterfahren, das ganze Land hinunter und darüber hinaus, Grenzen, die keine Grenzen sind.

Kuhgeruch, in der Ferne eine Herde Schafe. Und die Heumännchen, noch immer – still. Hügellandschaft, Mulden, in die man sich hineinlegen könnte, gefaltet, Geborgenheit, Blick zum Himmel.

Und wieder weiterfahren. Und weiterfahren. Über Grenzen hinaus, das Land, das Grün, die Hügel, das Wogende – wo sind die Grenzen, wer legt die fest?

Allein sein. Der Blick hinaus, alles hinaus, aus dem Körper hinaus, in dieses Grün. Und doch bist du nicht allein, sitzt hier drinnen und Wind fährt dir übers Haar, und Wind fährt dir über die Wange, wie damals, wie damals. Ein Fliehen, du gleitest über die Landschaft, Schweben, Leichtigkeit und weit weg, weit weg.

Ein Lachen, das dich zurückholt, ein Wort an dich gerichtet.

Und schon bist du wieder mittendrin, bist du wieder Teil, abgekapselt, eingekapselt in deinen Körper, dein Bauch, der dieses Lachen, dein Kehlkopf, dein Mund, du formst eine Höhle, bist mittendrin, mittendrin.

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Fotodokumentation – 29.8.2014

>>> alles zur Performance auf Bosnisch (all about the performance in Bosnian language)

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Logbuch – 29.8.2014

Ein Tag, der mit einer Dusche beginnt, ist definitiv ein guter Tag. Obwohl: Man kommt hier nicht ins Schwitzen des nachts, und sagt mir nicht, je weniger man anhat, desto weniger friert man, ich kann diese Theorie eindeutig widerlegen. Meine nackten Füße waren der kälteste Teil heute im Zelt. Trotz Schlafsack, trotz 3 Matten als Unterlage. Die Morgensonne entschädigt, wir bekommen noch geschwind eine Banane in die Hand gedrückt und fahren ins „flat“. Flat – Synonym für saubere Haut und frisch gewaschene Haare. Das Frühstück: Eier, Gemüse und Zwiebel. Ein letzter gemeinsamer zweiter Kaffee im Restaurant vor dem INCEL und schon steigen wir in die Geschichte hinein.

Am 28.6.1914 wurde unser Thronfolger ermordet: FF. Franz Ferdinand, Freund der Serben, so lautet die Überschrift im alten österreichischen Schulbuch. Dass er trotzdem nicht gemocht wurde am Balkan heißt es, von massiger Gestalt sei er gewesen, seine Art schroff. Rude, übersetzen wir. Rude and … fat? War FF tatsächlich so dick? Ich habe ihn nicht als massigen Bullen vor Augen, obwohl: wenn er nur ein Hundertstel des Tierbestandes, den er erschossen hat, gegessen hat, könnte diese Beobachtung tatsächlich zutreffen. Die Annexionskrise, ich google auf Wikipedia nach. Schulbücher sind lückenhaft. Haben wir nicht erst unlängst gelesen, in einer Zeitung, einem Geschichtsmagazin? Steht das jetzt im Buch?, fragt V., als wir unsere Vermutungen und vagen Erinnerungen ausdiskutieren. Irgendwann hängen wir selbst an: Vorsicht, das steht jetzt nicht im Buch, das wissen wir so. Weiterlesen

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GUERILLA ART CAMP: FRANZ FERDINANDOV PRINCIP – SINTEZA DVA NEPRIJATELJA @DKC INCEL // DAY FIVE

UAMPI BUM

Tekst & fotografije: Lidija Drakulić
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Peti dan Guerilla Art Camp-a je prošao odlično, te su građani Banjaluke imali priliku da gledaju i učestvuju u čak dva performansa na Trgu Krajine.

Prvi performans banjalučkog umetnika Nikole Kekerovića, koji je počeo u 18 časova, je uključivao pucanje na fotografije velikog formata Vladimira Putina i Barack Obame. Naravno, bile su u pitanju makete oružja odnosno igračke. Poenta performansa je situacija u svetu gde se zapravo ne zna „ko na koga puca“. Nikola je objasnio da je u pitanju interaktivan performans, odnosno da bilo ko može da učestvuje. Iza fotografija svetskih lidera nalazio se beli papir, na kojem se mogu videti otisci od plastičnih kuglica odnosno municije. Taj otisak zapravo predstavlja „sintezu dva neprijatelja“. Takođe, umetniku je bilo zanimljivo da posmatra ko je na koga više pucao. Glavna tema je naravno sami pucanj, kao…

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GUERILLA ART CAMP: FRANZ FERDINANDOV PRINCIP – SINTEZA DVA NEPRIJATELJA @DKC INCEL // DAY FOUR

UAMPI BUM

Tekst & fotografije: Lidija Drakulić
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Juče je bilo zaista lepo vreme, te je četvrdi dan Guerilla Art Camp-a prošao odlično. Umetnici i umetnice kampa su ponovo bili u mogućnosti da svoj rad premeste na otvorenom, te je DKC Incel i

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Jelkas Geschichte

Stell dir vor, du bist Jelka. 1988 geboren. Als der Krieg beginnt, bist du vier, aber was weiß man mit vier schon vom Krieg. Was weiß man überhaupt vom Krieg? Der Landstrich hier ist verflucht. Keine Generation, die keinen Krieg erlebt. Jelka ist jung und man würde ihr gerne versprechen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen.

Glamoč, eine Stadt in Bosnien. Damals: 90% serbische Volksszugehörigkeit. Und doch: Bosnier.

Zu Kriegsbeginn flüchet die Familie nach Belgrad, bleibt jedoch nur drei Monate. Am 25. Mai 1995 dann die endgültige Flucht. Jellka kann sich an das Datum erinnern, obwohl sie erst sieben war. Es war ihr Geburtstag. Dass sie noch Fotos aus dem Album der Eltern genommen habe, sagt sie. Keine Ahnung, warum, es war eine Art 6. Sinn.

Zu dem Zeitpunkt dachte jeder, dass sie in ein paar Monaten wieder zurück sein würden. Weiterlesen

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Logbuch – 28.8.2014

Donnerstag und heute scheint die Sonne. Dass ich mich heute endlich ins Zelt setzen sollte denke ich den ganzen VM. Ich bin zu neugierig, es tut sich zu viel um mich herum, ständig sind meine Ohren und Augen irgendwo, und das ist gut, aber ich brauche die Ruhe.

Im Zelt ist es heiß, die Sonne brennt heute auf die Landschaft … und wieder wollte jemand den Sonnenschirm aufspannen und ich wehrte mich. Dass ich noch einmal in die Hitze komme, in eine Art Sommer, hätte ich mir vor einem Monat auch nicht gedacht.

Banja Luka erlebte erst vor kurzem zweite Flut innerhalb von 3 Monaten, auch dazu will ich einen unserer freiwilligen Helfer befragen, er hat bei den Arbeiten geholfen, zuerst in Banja Luka, dann in den anderen betroffenen Gegenden. Fluten – Naturkatastrophen, dazu braucht es keinen Schuss, keine weiße Gams, und nicht einmal Dodik kann man die Schuld geben. Alles versinkt im Schlamm, ich habe das erlebt, in Österreich, als die Leute den Schlamm von den Grundstücken schaufelten, nicht einmal mit dem Auto zufahren konnten, die herausgerissenen Bodendielen in Rucksäcken zum Müllplatz trugen, weil man nicht mit Baggern zufahren konnte. Dann der harte Schlamm, fest wie Beton und drinnen alles kaputt.  Ausgelöschte Existenzen, da kannst du von Glück reden, dass es nur das Sommerhaus in Kritzendorf ist, und trotzdem ist das Letzte, woran du denkst, Glück. Weiterlesen

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Fotodokumentation – 27.8.2014

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Logbuch – 26/27.8.2014

Die Fahrt hinunter. Viel kürzer. Weniger eng, als damals. Als ich 13 Stunden im Bus. Das erste Café, nach der Grenze, und kein bosanska kafa. Wie damals, die Busstation, der Abschied von Sarajevo, als es nur Espresso aus der Maschine.

Ob sie die Sonnenmarkise weiter ausfahren soll, fragt die Kellnerin. Wir schütteln die Köpfe, ziehen uns die Oberteile aus. Nein, bitte nicht. Sonnentanken, die letzten Tage waren kalt in Graz. Viel zu kalt, ich habe in einem Anflug von Panik noch Westen, Pullis und die dickere Regenjacke dazugestopft. Wenn man mit dem Auto vor der Haustür abgeholt wird, ist der Rucksack immer zu voll.

In meinener Tasche eine Mappe mit Infos über Bosnien und die Republika Srpska im Speziellen. Im letzten Moment noch wollte ich Handkes „Gerechtigkeit für Serbien“ besorgen, doch das Buch ist vergriffen. Jedes Buch hat seine Zeit – jetzt wäre die richtige. Für mich, für diese 10 Tage. Dass mir auch immer alles im letzten Moment einfällt. Ich reise mit Sekundärliteratur, mit Zeitungsartikeln, im letzten Moment ausgedruckt. Ich reise mit der weißen Gams und Bosniens treuen Söhnen im Gepäck.

Das andere Bosnien. Ich sehe aus dem Fenster und suche Dinge, die ich voriges Jahr gesehen habe, aber wir fahren eine andere Route als der Bus. Weiterlesen

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GUERILLA ART CAMP: FRANZ FERDINANDOV PRINCIP – SINTEZA DVA NEPRIJATELJA @DKC INCEL // DAY THREE

UAMPI BUM

Tekst & fotografije: Lidija Drakulić
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Uprkos jučerašnjem ružnom vremenu, treći dan Guerilla Art Camp-a je uspešno iza nas! Umetnici u umetnice su morali da presele svoje radove i aktivnosti unutra, ali to ih nije sprečilo da dalje razvijaju svoje koncepte koje će vrlo uskoro predstaviti na bl’art Festivalu.

Performans bihaćke umetnice Selme Selman, koji se dogodio juče u 18 časova na Trgu Krajine (Banja Luka) i koji je bio izmenjen zbog ružnog vremena, je uspešno prošao. U pitanju je bio performans teatralne prirode u kojem je Selmastajala na sred trga i vikala „Vi nemate pojma!“. Ovaj performans je trajao oko sedam minuta. Koncept aludira na činjenicu kako živimo u svetu gde ljudi u većini slučajeva biraju neznanje, odnosno svesno se prave nesvesni u kakvom okruženju zapravo žive. Originalna verzija performansa je uključivala eskapizam.

Danas se…

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Logbuch – 25.8.2014

Nach einem Jahr also wieder nach Bosnien. In das „andere“ Bosnien. Das, das ich voriges Jahr nur aus der Bahnscheibe heraus gesehen habe.

Über Banja Luka haben wir nicht gesprochen an Belmas Tisch. Vor einem Jahr kletterte ich in Sarajevo aus der Bahn. Fragte mich, wie ich es anstellen sollte, hier die Leute kennen zu lernen, die mir von ihrem Leben erzählen würden. Ich hatte noch nicht einmal ein Hotelzimmer.

Ein vierzehnjähriges Mädchen sprach mich an, als ich gerade von der letzten Stufe sprang. Mit meinem Rucksack verkörperte ich den idealen Gast für eine günstige Herberge nahe der Innenstadt.

Belmas Tisch. Ein Holztisch wie er auf Straßenfesten verwendet wird: Eine Platte bestehend aus drei Holzlatten, ein grünes Kreuz aus Eisen, zusammenklappbar. Die Sitzbank selbstgezimmert, darauf Teppiche und Polster.

Die unzähligen Zigaretten die wir in den Nächten rauchten, während Belma erzählte. Weiterlesen

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Igor F. Petković : Gavrilos Princip

 

gavrilos prinzip (2011)

kurzfilm / kunstguerilla aktion

aufgrund historischer wie aktueller anlässe, wurde aus der tat des attentäters / helden von sarajevo ein prinzip destilliert. dieses prinzip wird im künstlerischen rahmen verfolgt und in einen radikalen, zeitgenössischen diskurs um konspirative (kunst-) institutionskritik eingebracht.

ausgangspunkt der aktion ist das ehemalige palais khuenburg, geburtshaus von thronfolger franz ferdinand und das jetzige stadtmuseum graz. neben reliquien des ermordeten wird dort auch die zur verwendung gekommene waffe (eine 1910 FN browning) des attentäters ausgestellt, die entwendet wird. der kurzfilm ist einerseits eine dokumentation einer kunst-guerilla aktion, in der der künstler dem radikalen prinzip eines attentäters / helden (je nach historischer sichtweise) auf seinem letzten weg gegen übermächtige institutionen folgt. Weiterlesen

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